FAUST-Production

wurde 2013 in Berlin von Burkhard Schmiester gegründet.

Im Herbst 2013 stellte FAUST eine erste Produktion vor: „Othello“ nach William Shakespeare, gespielt in der Box 2 im Kreuzberger Club GRETCHEN; die Produktion wurde nach den Berliner Aufführungen als Gastspiel auch im Metropol-Theater/Köln gezeigt. Es folgte in den Sommern 2014/2015 Goethes „Faust“ und 2016/2017 eine Adaption von Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ unter dem Titel „Shylock und Porzia“; auch diese Produktionen in der Regie von Burkhard Schmiester gastierten im Kölner Metropol-Theater.

Im „Othello“ und im „Faust“ spielte Gerd Buurmann die Titelrolle, bei Shakespeare auch den Jago, im Goethe-Drama zudem Mephisto und das Gretchen. In der folgenden Shakespeare-Produktion spielte Gerd Buurmann den Kaufmann Antonio und den Juden Shylock, die Rolle der Porzia und des Bassanio war mit Janett Bobel besetzt.

Für 2018 ist für das GRETCHEN ein neues Sommertheater-Projekt geplant, wieder nach der Vorlage eines Shakespeare-Dramas:

Richard

nach Shakespeares Königsdrama "Richard III" in der Regie von Burkhard Schmiester

Burkhard Schmiester kam als Regieassistent und Dramaturg vom Staatstheater Karlsruhe in die Leitung des Kölner Theaters im Bauturm, gründete 1986 das Severins-Burg-Theater, das 1987 eine eigene Spielstätte in der Südstadt fand und von der Stadt Köln subventioniert wurde. Bis 2012, bis zu seinem Umzug nach Berlin, erarbeitete er an dem von ihm geleiteten Theater über 50 Inszenierungen. Er begründete zudem die Offene-Bühnen-Show „KGB - Kunst gegen Bares“, die er mehrmals moderierte; übernommen von Gerd Buurmann hat diese Show bis heute ihr zahlreiche Fans und in vielen Städten Nachfolger gefunden. Das Severins-Burg-Theater in der Kölner Südstadt wird seit 2012 von Mareike Marx geleitet und firmiert unter dem Namen Metropol-Theater. Burkhard Schmiester gründete 2013 in Berlin die FAUST-Production und fand Unterstützung und Spielräume in dem Kreuzberger Club GRETCHEN.

GRETCHEN-Club, Obentrautstr. 19-21, 10963 Berlin-Kreuzberg

  

Mitten in Kreuzberg, in den ehemaligen Stallungen des preußischen 1.Garde-Dragoner-Regiments Königin Victoria von 1854, präsentiert sich GRETCHEN in historischem Charme. Gepaart mit coolem Clubdesign präsentiert sich das wunderschöne Kreuzgewölbe, hinter dem sich mit berliner Charme eine Brache breit macht, und in diesem Dragoner-Areal, im Hinterhof des GRETCHEN wurde Fausts Ruf nach Gretchen und Shylocks Schrei nach Rache laut, die schöne Porzia lechzte nach Liebe - Richard III wird erwartet.







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2018

Richard III

        nach William Shakespeare
        Regie: Burkhard Schmiester

 Richard - Friederike Ziegler

 Lady Ann, Elisabeth, Margarethe -
Maren Claus

Clarence, Edward IV, Buckingham, Richmond - Susanna Karina Bauer

25. - 29.Juli und 1. - 5. August 2018 im Bratwurst-Hoftheater des GRETCHEN
Obentrautstr. 19/20, Berlin/Kreuzberg
20.30 Uhr (Einlass: 19.30h)
16 Euro / erm. 12 Euro


RICHARD III, Emporkömmling, Demagoge und Mörder, hetzt zum Krieg:
Bedenkt, mit wem ihr euch zu messen habt: Ein Schwarm Landläufer, Schelme, Vagabunden, fremder Abschaum, niedere Bauernknechte!
Ihr schlieft in Ruhe, sie aber bringen Unruhe;
ihr seid mit Ländereien, mit schönen Frauen gesegnet,
sie wollen jenes erobern und diese schänden.
Peitscht das Gesindel übers Meer zurück!
Fort mit diesem frechen Lumpenpack, mit diesen hungrigen Bettlern!
Arme Ratten, die sich schon gehängt hätten, wäre nicht der Traum von diesem Glück verheißenden Unternehmen!
Ihr seid das Volk!
Und solltet ihr besiegt werden, so sei's durch Männer!
Aber nicht durch diese Bastarde, die unsere Väter in ihrem Land schon geschlagen, verdroschen und der Schande preisgegeben haben.
Sollen die unsere Ländereien besitzen? Bei unsern Weibern liegen? Unsre Töchter vergewaltigen?
Kämpft, kämpft, spornt eure stolzen Rosse und reitet im Blut!


Das „Richard-Projekt“ nutzt die Shakespeare-Tragödie um den englischen König aus dem 15.Jahrhundert, ist aber jenseits des Historiendramas mit den Mitteln des Regie- oder Konzept-Theaters eine Produktion, die die Textbausteine aus den Rosenkriegen in eine assoziative Nähe zu unserer Zeit bringt. Doch in der Vermeidung des Abbilds einer brutalen Männerwelt, der Realismen männlicher Gewaltimpulse und Machtphantasien, einer lediglich reproduzierenden Historienschau, wird nicht nur die Titelrolle von einer Frau gespielt: weiblich besetzt sind auch Eduard IV/Clarence/Buckingham/Richmond. Eingesetzt werden clowneske wie artifizielle Fähigkeiten, Spaß an der Groteske und Lust, Figuren im brechtschen Sinn vorzustellen. Es geht nicht darum, sich in den egozentrischen Richard, in seine Gier nach Macht, in den Willen zur Gewalt einzufühlen, es ist die Aufgabe, diesen Mann als beispielhaft für patriarchale Männermacht und doch ohne jedes Klischee auf die Bühne zu bringen – und das gilt selbstverständlich auch für die anderen Figuren, für Lady Ann/Elisabeth/Margarethe: eine bis ins Groteske spielende Körperlichkeit ist so sehr Gewinn, wie die Überhöhung der Alltagsrealität von aufklärerischem Nutzen. Shakespeares „Richard“ sollte, dem Historiendrama entwachsen und einer musealen Bebilderung entkommen, ein sich dem Heute entziehendes Märchen und zugleich das Zerrbild eines Aspekts unserer Welt sein.


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2016/2017

Shylock und Porzia

        nach William Shakespeares "Kaufmann von Venedig"
        mit Janett Bobel und Gerd Buurmann - Regie: Burkhard Schmiester

Im GRETCHEN präsentiert die FAUST-Priduction eine derbe Mischung aus Shylock und Porzia - frei nach Shakespeares "Kaufmann von Venedig". Und natürlich tritt sie auf: Porzia!, dieses It-Girl aus Shakespeares „Lustspiel“! Aus dem Vermächtnis ihres Vaters, nur den heiraten zu dürfen, der unter Gold, Silber und Blei die rechte Wahl trifft, aber macht sie eine große, vergnügliche Show: die Bühne ist der Jahrmarkt ihrer Eitelkeiten, ihr stupider Frohsinn gespickt mit hemmungslosen Rassismen! Das trifft den schwarzen Mann aus Afrika wie den geilen Italiener, den blasierten Franzosen und den eitlen Olé-Spanier – vor allem aber den Juden Shylock.
Porzia und Shylock: Wenn die sich im Hinterhof des GRETCHEN zum Sommertheater treffen, hat die Welt einen ungeheuren Riss.


 

       Premiere im GRETCHEN   27.Juli 2016
 



Sich mit der Kippa auf dem Kopf zeigen, sich als Jude outen: noch heute ist die Gefahr groß, bespuckt und geschlagen, erniedrigt und verhöhnt zu werden. Für den Juden Shylock - Kontrahent von Antonio, dem Kaufmann von Venedig - war Venedigs Rialto Ort der Schmähungen: man trat nach ihm, man beleidigte und verachtete ihn und seine Geschäfte. Und Shylock sann auf Rache: „Wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Die Bosheit, die ihr mich lehrt, die will ich ausüben.“ Ecce homo!
Shylock stolpert noch heute durch die Welt, büßt seine Würde ein, und will er Rache – in Venedig verlangte er ein Pfund Fleisch aus dem Körper seines Peinigers –, gibt es auch heute noch eine über ihn triumphierende Porzia!


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2014/2015

Faust

        nach Johann Wolfgang Goethe
        mit Gerd Buurmann - Regie: Burkhard Schmiester



Faust? Who the fuck is Faust?
Schlag nach bei Goethe und erkenne: Heinrich mir graut vor dir!
Dr. Heinrich Faust ist ja wohl dieser auf zahlende Schüler angewiesene Privatdozent, der ein Leben lang vergebens auf einen Lehrstuhl gehofft, aber nie der Ruf einer Universität gehört hat, dem MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) unbekannt waren und MOOCs (Massive Open Online Course) kamen in seinem Leben auch nicht vor.
Da versteht man doch, dass dieser Wissenschaftler an sich zweifeln muss.
Noch mehr Zweifel aber tun sich auf, wenn dieser Doktor nicht in einer finsteren Studierstube rumjammert, sondern sich ganz öffentlich bemitleidet. Da fragt man sich doch, ob dieser Mann wirklich Philosophie, Medizin, Jura und Theologie studiert, magistriert und promoviert hat. Ja, was will er uns, die sich – was ihn mit Stolz und Eitelkeit erfüllt – seinetwegen an der Kasse gedrängelt haben, denn sagen? 
Diesem Faust gilt dann die Frage, ob er verheiratet sei oder gewesen ist. Nein, da ist von keiner Ehe die Rede, von keiner glücklichen, von einer unglücklichen aber auch nicht, es gab wohl keine Frau an seiner Seite, nicht eine einzige Affäre wurde ihm nachgesagt.
Die großen stolzen Fakultäten also haben ihm die Welt nicht erklären können, und im Privatleben des verzweifelt Forschenden ahnt man ein prekäre Situation: ein Defizit, das dem noch leidlich mit Testosteron ausgestatteten Mann in seine Walpurgis-Träume schickt. Böses jetzt ahnend hält man den Träumer, mit Laptop und Smartphone in WiFi-Zonen umtriebig, gar für pädophil! In der Disco seiner Visionen hat’s ihm dann bald auch ein junges Ding angetan und wie Aschenbach für Tadzio hat Heinrich sich in erregter Libido für dieses Gretchen aufgehübscht. Jungbrunnengebadet wähnt er sich und mit Possessivpronomen ihres Besitzes würdig: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen …“
Doch die Vision platzt: das Fräulein will als Inbegriff und summarischer Höhepunkt all der seit der faust‘schen Pubertät empfangenen Kränkungen und Ablehnungen nicht sein sein ...




Elfriede Jelinek ging an dieser Stelle der Fall Fritzl durch den Kopf: „FaustIn and out“. Ja, man darf Faust, da die hübsche Kleine durchaus ungeleitet nach Hause gehen will, ein psychopathisches grundiertes Dilemma unterstellen. Und wer hilft da? Mephisto – klar! Und kommt der nicht von Gott, steckt er immer doch tief in einem selber, ist Homunculus und Inkubus – Mephisto ist als Alterität des Heinrich Faust sein andres Ich à la Rimbauds „Ich ist ein anderer“, Mephisto ist Hilfe und Erfüllung - um den Preis einer bipolaren Störung.



Premiere im GRETCHEN: 21.August 2014


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2013

Othello

        nach William Shakespeare
            mit Gerd Buurmann- Regie: Burkhard Schmiester

  

Seit über 400 Jahren beschäftigt uns der Fall Othello – und noch immer wird Desdemona ermordet. Fast jeden Monat erhitzt die Schlagzeile, dass wieder ein Mann seine Frau, dass ein Vater seine Kinder getötet hat, die Gemüter. Diese Tage noch hat in Berlin ein Mann seine Lebensgefährtin aus Eifersucht angezündet, elendig ist sie verbrannt. Entsetzt über diese Morde sucht der Schauspieler Gerd Buurmann die Taten zu begreifen und findet aus der grauenvollen Aktualität zurück in die Theaterwelt des William Shakespeare, in die Tragödie des Othello. Die heutigen Gewalttaten in Familienverbänden, sogenannte „Intimizide“ wie auch die „Ehrenmorde“, legen sich wie eine Folie über den shakespearschen Plot aus Intrige und Eifersucht, Neid und Hybris. Gerd Buurmann agiert in den Rollen der Täters und des Opfers, als Othello, Jago und Desdemona: die über 400 Jahre alten Szenen stellt er interaktiv in den Raum und befragt sie neu.
Im GRETCHEN erschallt Othellos Stimme, da flüstert Jago, da erklingt der Todesschrei Desdemonas.




Premiere im GRETCHEN: 5.November 2013