Dos Cervezas  Aus dem Leben eines Unbedeutenden

Fünf Nachtstücke mit Moderation und einer Zugabe / trafo-Verlag Berlin

Dos Cervezas – in den Vierzigern ist er, etwas übergewichtig und nicht gerade attraktiv; er hat ein Kind, ist aber geschieden, er ist Alkoholiker und unbeudeutend, ohne Eigenschaften, glatter Durchschnitt, Lehrersohn aus Münster, abgebrochener Student und Versager in den Augen seines Vaters, von der Mutter verhätschelt, später unglücklich verheiratet und muskulöser Bestandteil einer Security-Firma, nach der Scheidung arbeitslos, Hartz IV-Opfer, heute ist er Ich-AG-geförderter Privatermittler ...

Fünf Episoden aus seinem Leben habe ich ausgesucht, fünf dieser Capricios, die Dos Cervezas‘ Schicksal sich leistete, fünf Nachtstücke sind das: Aus dem Leben dieses Privatdetektivs, dessen bürgerlicher Name verloren gegangen ist. Und von dem einen Nachtstück zum nächsten überleitend, will ich der Moderator sein und auffädeln, was trotz aller Durchschnittlichkeit doch eine Perle des Bemerkenswerten.

Welch tiefe Wunden wurden Dos Cervezas geschlagen? Von diesen Verletzungen sei berichtet, von dem ASCHERMITTWOCH in Dos Cervezas‘ Liebesleben. Welche Phantasien habe seine Realität unterhöhlt? Ein Blick aus dem FENSTER ZUM HOF gilt dem in seinen Gefühlen Verstrickten und einer obskuren, morbiden und auch luziden Welt, bis an einem heißen Sommertag die Hoffnung wieder aufblüht: Dos Cervezas sprüht vor Leben, will Leben versprühen und verfällt UNDINE, einer Wasserfrau, deren Seele fraglich ist. So sinkt er tief.

Da habe ich Dos Cervezas die Hand gereicht und ihm mit EL ESCORIAL einen Mythos geschenkt, dem er sich hätte verwandt fühlen können – doch auch der verrinnt ihm zwischen den Fingern und ist nach vertrunkener Nacht nur noch ein schlechter Geschmack auf der Zunge, etwas Zerronnenes, von dem man aus Scham besser nicht spricht. Doch ich muss noch Zeugnis ablegen von dem Ende: In einer ultimativen Phantasie, in dem angespanntesten Willen zum Glück, der in seiner Rigorosität so sehr Vollendung schon ist wie totales Scheitern, überhöht Dos Cervezas seine Durchschnittlichkeit ein letztes Mal und stilisiert sich angesichts des Leids von LA TRAVIATA zum Schöpfer seines Lebens – um aus diesem mit einer letzten pathetischen Geste herauszutreten.

Die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt, wie sie sich auch nicht zwischen Gerücht und Authentizität schieben mag - die Zumutungen also, die ich Dos Cervezas andichte, sind so sehr oder so wenig sein Leben, wie er mir sein Schicksal als eine Ansammlung eben solcher Zumutungen aufdrängte – was also ich anbieten kann ist meine Wahrnehmung von einem Leben, in dem ich mich nur insoweit auskenne, als meine Phantasie es zulässt.

 Rezensionen: „Welches Leben ist es und wert, erzählt zu werden – und weshalb? Burkhard Schmiesters Episodenroman Dos Cervezas. Nachtstücke mit Moderation sucht im Leben besagten Dos Cervezas‘ nach Antworten auf diese Frage. Ist das Leben eine Aneinanderreihung verpasster oder nicht wahrgenommener Chancen? Ist Dos Cervezas Opfer der Umstände oder schlicht ein weinerlicher Phlegmatiker? Opportunistisch unterwirft er sich den Unwägbarkeiten des Lebens, „hilflos aus Erfahrung, hoffend aus Not“. Die Passivität des Antihelden ist Programm und Kunst wird ins Profane gezogen, das Profane wird zur Kunst erhoben.
In seiner derben Sprache ist Dos Cervezas eine humorvoll-tragische Abrechnung mit der Neigung des Menschen, sich über andere zu erheben und gerade in Dos Cervezas‘ unphilosophischer Herangehensweise an das Leben liegt das philosophische Potential dieses Textes. Denn die Fragen, die das Buch aufwirft, sind stellenweise hochphilosophisch: Worin offenbart sich der Mensch – in seinem Handeln oder in seinem Denken? Und was genügt dabei dem Anspruch derRealität mehr – die erlebte oder die reflektierte Realität?
Das Buch zwingt den Leser immer wieder aufs Neue, über die eigene Oberflächlichkeit nachzudenken. Immer wieder führt der Autor unbequeme Brüche in der Handlung herbei, die so gar nicht in das Bild passen wollen, das man sich bis dahin von der Person des Dos Cervezas gemacht hat. So zieht Schmiester seinen Protagonisten stets zur rechten Zeit wieder aus der Schublade heraus, in der der Leser den Charakter soeben noch einsortieren wollte.
Der Roman ist eine Reflektion über das Leben, die Kunst und die Schnittstelle zwischen beidem. Daher ist Dos Cervezas eine kurzweilige und intelligente Lektüre für jeden, der sich die Sinnfrage des Lebens gern immer wieder neu stellt.“                                                                                          Eva Bohrmann in LESART 1/08

 

"In fünf Geschichten zwischen Liebe, Verlust, Hoffnung und Wahnsinn schildert Burkhard Schmiester einen liebenswerten Loser der Gesellschaft. Sogar sein bürgerlicher Name ist dem Protagonisten irgendwann abhanden gekommen, so heißt er nur noch Dos Cervezas. Er versucht sich als Privatdetektiv und scheitert. - Ein abwechslungsreiches Stück Literatur zwischen Philosophie und Prekariat, zwischen Lachen und Weinen."                                                                                                                           Linn Kegel bei AMAZON


"Nein, das sind nicht nur fünf in dem unleidlich-trashigen Stil eines abgehängten Prekariat-Leidens geschriebene Capriccios: mit zunehmenden Vergnügen fand ich immer mehr Gefallen an den Hintergründigkeiten dieser Dos Cervezas-Geschichten, die jenseits aller Derbheiten mitunter in einen so phantastischen und wie heiteren Realismus einmünden. Und zwischen diesen Phantasien und der zuweilen aber auch bitteren Oberfläche dieser fiktiven Biographie reißt der Autor eine Ebene auf, die sich als ein geradezu archetypisches Muster diverser Lebens-Verhängnisse über dieses singuläre des Dos Cervezas stülpt. Und auf dieser Ebene kann der Leser dann Erfahrungen machen, die über das anhaltend lustvolle Interesse an der Romanfigur auf eigene Erfahrungswelten verweisen. So mischt sich gute, anspruchsvolle Unterhaltung mit großer Nachdenklichkeit hinsichtlich selbsterfahrener Irrungen und Wirrungen."
                                                                                                                                            Marc Pohl bei AMAZON

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Böse Musen  Ein Krimi aus dem Kulturleben

trafo-Verlag Berlin

  In der Theaterszene brodelt es. Die sich als Kultur- und vor allem auch als Theater-Hochburg begreifende Domstadt ist hochverschuldet und der Kämmerer hat den Rotstift gezückt. Der Mann droht nun, sich über die Subventionen der Städtischen und vor allem der Freien Theater – im großstädtischen Vergleich seit je mit Geiz nur gefördert – herzumachen. Und diese Bedrohung schafft Brisanz. Missgunst und Neid schleichen sich in die Theaterszene ein, intrigant und auf ihren Vorteil bedacht belauern sich die Theaterleiter, und die Kulturpolitiker wie die im Kulturamt Federführenden sehen sich von ihnen zum Erhalt des Besitzstandes herausgefordert – aber auch, mehr oder weniger versteckt oder heimlich, umworben. Bei diesen sie Umwerbenden aber suchen sie nun durchaus ihren Nutzen: Vorteilsnahme im Amt, Klüngeleien zwischen allen Parteien und Diffa-mierungen unter den Kollegen – zu Füßen des Hohen Doms wächst das Klima eines gegenseitig sich misstrauenden pro domo und die Kultur verkommt zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten, der Begierden und Begehrlichkeiten.

Diese Stimmung verkennend will Ilka Büntler in der Stadt am Rhein ein neues Freies Theater gründen und das soll natürlich subventioniert werden. Auf die ihre Pfründe hütenden eingesessenen Theatermacher allerdings wirkt dieses Begehren wie ein Wespenstich, und ihre aufkommende Nervosität, ihre Angst vor und ihr Hass auf die Konkurrentin trübt das Klima der Theaterszene und selbst in intimsten Gefilden verdichtet sich die Anspannung aus Selbstsucht und Voreinge-nommenheit. Geiz und Missgunst, außerordentliche Gereiztheiten werden wahr- und müssen hingenommen werden, unter Freund und Feind kommt es zu ersten Übergriffen und Kollateralschäden. Ilka Büntler aber gelingt es dennoch, die Fördergelder zu bekommen – allerdings muss sie – Geld oder Würde? – dafür Opfer bringen. Dass sie bei zunehmend aggressiven Kontakten mit den Herren Kollegen und zu einer dubiosen Theaterleiterin namens Gudrun Gott in einen gefährlichen Sumpf hineingezogen wird, merkt sie allerdings erst, als sie eines Morgens zu Probenbeginn vor einer kopflosen Leiche steht – die sie tangierenden Schatten sind bösartig geworden und in ihr wächst das Bewusstsein der eigenen Bedrohung – und als dann ein Theater abbrennt und zwei weitere Morde geschehen wird es Ilka Büntler angst und bange. Sie spürt, dass der geheimnisvolle Killer jetzt auf ihrer Spur ist – allerdings ist sie dem in der Theaterszene ermittelnden Hauptkommissar Marc Pohl inzwischen in Liebe verbunden. Was aber passiert, als Ilka Büntler eines Abends, da der Kommissar auf Mörderjagd ist, überraschenden Besuch erhält?

Der Ort dieser Irrungen und Wirrungen, der Verdächtigungen, Verleumdungen, Intrigen und Sexismen, des Neids, der Habsucht und all der Morde ist nun nicht gerade ein unbekannter: die Örtlichkeiten im Schatten des Hohen Doms sind aus dem Stadtbild Kölns geschnitten und dem Kenner all der benannten und besuchten Lokalitäten wohl auch ein vergnügliches Begegnen. Dass das alles also in Colonia geschieht ist so klar, wie doch auch ein weites Feld, denn die beobachteten, beschriebenen, erfahrenen, beklagten, erlittenen und aufgrund all dessen auch phantasierten Phänomene sind nicht nur auf diese Stadt am Rhein und ihre Theaterszene zu beschränken – der Erfinder all dieser Begebenheiten intendiert eher eine induktive Erkenntnis: er will die Stadt am Rhein nicht den Mördern, sondern einem Paradigma preisgeben, dem viele andere Kultur- und Theaterstädte sich in Ignoranz und Selbstüberschätzung ebenso zugehörig fühlen dürfen.

Es gibt also weder singuläre Wahrheiten zu lesen, noch werden kölsche Wirklichkeiten entlarvt, nichts ist interessant, was dieser Stadt allein nur angehört. Und so ist es müßig, die Roman-Personen enträtseln, ihnen etwa diesen Kölner Politiker oder jenen Theatermacher unterschieben zu wollen. Und ist die Ähnlichkeit einer Person oder einer Begebenheiten doch einmal zwingend kölsch, dann sollen es dennoch die Strukturen sein, um derentwillen dieser Roman eine Kriminalhandlung hat, um derentwillen er geschrieben worden ist – das strukturelle Element also sei sein Wesen und seine Ambition der Versuch, Allgemeintypisches zu erfassen! Dieses Unterfangen aber muss einen persönlich-individuellen Ausdruck finden, kölsche Typen müssen herhalten für all das Typische: Schau-spielerinnen und Theaterleiter, Regisseurinnen und Dramaturgen, ein Kultur-amtsleiter, eine Theaterreferentin und eine Kulturdezernentin, Politiker diverser Couleur und der Verwaltungschef. In diese Kostüme aber sind gesteckt worden, die jenseits ihrer Rolle nicht real sind und nur im Fiktiven des Romans leben, ohne ihn nicht sind.

Verletzungen oder Verleumdungen also sind weder vorgesehen noch intendiert, und insofern sind alle in diesem Buch auftretenden Personen frei erfunden – Erkenntnisse aber sind gewollt und darum gibt es doch auch Ähnlichkeiten mit Lebenden.

Honi soit qui mal y pense.

 Rezensionen: „Theatergemetzel im tiefsten Köln! Schmiester, der selbst ein Kölner Theater führt, weiß, wovon er schreibt. Und wie er schreibt! Immer amüsant und anspielungsreich, der prosaische Kontext ist ornamentiert mit Zitaten, Kleist zumeist und manchmal Hamlet, und die museale Patina der klassischen Zitate schafft ironische Distanz. Tür an Tür mit Marcopolo (so der Spitzname des ledigen Hauptkommissars Marc Pohl von der Mordkommission) wohnt die Hauptakteurin Ilka Büntler. Der gut aussehende Ordnungshüter liebt die klassische Musik, Frau Büntler macht modernes Theater, indem sie Kafkas „Bau“ mit Becketts „Glücklichen Tagen“, das heißt das Absurde und das Sinnentleerte, zu einem Theaterhappening verrühren will. Dazu braucht sie Zuschüsse. Und schon befinden wir uns inmitten einer heftigen Liebesgeschichte, gewürzt mit reichlich Mord und Totschlag, sinnverwirrenden Theaterintrigen und hocherotischen Kapriolen. Da ist Jean Blömken, der kulturpolitische Sprecher einer großen Volkspartei und spitz wie Nachbars Lumpi, aber der blaublütiger Kulturamtsleiter, Björn von Sydow, ist noch viel spitzer als er. Diese erektilen alten Böcke sitzen auf der Knete. Man kann sich ausmalen, wohin das bei dem libidinösen Theatervölkchen führt - ein bisschen Promiskuität bringt Leben in die Bude. Auf leisen Sohlen aber naht sich endlich das Verhängnis und räumt auf unter den bettelnden Theaterleitern und bedürftigen Regisseuren, den wendigen Assistenten und windigen Schauspielern, all den Nutznießern der Kulturamtsspenden.
Burkhard Schmiester ist, nehmt alles nur in allem, eine stilistisch reizvolle Gesellschaftssatire gelungen, in der die Begierden und der Tod gemeinsam an den Brettern sägen, die die Welt bedeuten."
                                                                                                                        Botho Cude, RATIONALGALERIE Berlin

 

„Burkhard Schmiester wirft in seinem Köln-Krimi einen satirischen Blick hinter die Kulissen des Kulturbetriebs – viel Sex und Crime und hoher Wiedererkennungswert.“         Barbro Schuchardt / Kölnische Rundschau

„Mit Staunen, Ekel und Vergnügen folgt die Leserin in der ersten Hälfte des Theaterkrimis zahllosen Pfaden und Abwegen, immer wieder neuen Abzweigen und Exkursen. Dann, in der zweiten Hälfte, beginnen sich die Stränge sachte um- und ineinander zu verschlingen - und das liegt nicht nur am Anbändeln zweier Hauptfiguren miteinander. Nein, im Moment der Verknüpfung aller losen Fäden, der Engführung aller Handlungen zu einer, nehmen die BÖSEN MUSEN mächtig an Fahrt auf und es wird mitreißend spannend. Auch der Stil befreit sich dann von allen Ablenkungen, in prägnanter Sprache erzählt Schmiester von dunklen Schatten, die morden, von Rätseln und Geheimnissen. Genau die richtige Lektüre für Vergnügungssüchtige mit Gruselfaible, die Stoff für zwei lange Lesenächte suchen!“
                                                                                                                                                                                      Hanna Günthel / Amazon


"Wildes Theaterleben erleben die LeserInnen dieses Romans, voller Kunst, Kultur(politik) und Sex.
In der Kulturszene K.s tun sich bodenlose Abgründe auf - und ein Mörder treibt sein Unwesen, der es ganz offensichtlich auf die Stars der freien Theater abgesehen hat: TheaterleiterInnen, Dramaturgen und Schauspieler fürchten um ihr Leben und fallen diesem mysteriösen Kunstfeind doch zum Opfer. So brennt dort ein Theater nach einer ausufernden Premierenfeier ab, hier liegt ein Schauspieler ohne Kopf nach durchzechter Karnevalsnacht. Eine spannende, unterhaltsame Story voller wilder Geschichten aus dem Kulturbetrieb. - Brisant: Autor Schmiester hat selber jahrelang ein freies Theater betrieben - und zwar ebenfalls in einer Stadt mit K."                                                                                           Greta Egger / AMAZON



"Wer immer mit dem Theater und seiner Welt, mit der Kultur und ihren Machern zu tun hatte oder hat, wird viel Vergnügen an dieser Lektüre haben, die aber auch den Unbeleckten mitnimmt in eine so zauberhafte wie gefährliche Welt, denn es gibt Tote und natürlich einen Mörder - so reicht die Spannung bis zur vorletzten Seite, die letzte ist einem illusteren Treffen im Schwesternzimmer eines Krankenhauses vorbehalten: dem Ersatz für die Bibliothek, in der traditionell Morde aufgeklärt werden.
Dieser Roman ist ein intelligentes Spiel mit der Wirklichkeit und ihren theatralen Überhöhungen, mit schnöder Realität und Versatzstücken der Tradition - aufbereitet in einer anspruchsvollen Sprache, gespickt mit qicklebendigen Einfällen von absurd bis erotisch, von Trash bis Flash."         Raffa Keil / AMAZON