Shakespeares „Richard III“

25. - 29. Juli und 1. - 5. August 2018 open air in GRETCHENs Hoftheater


Wieder kündigt sich für die letzte Juli- und die erste August-Woche GRETCHENs Sommertheater an. Im charmant-trashigen Hinterhof des Kreuzberger Clubs präsentieren zwei Schauspielerinnen in der Regie von Burkhard Schmiester Shakespeares „Richard III“.

Vor vier Jahren gab es im Dragoner-Areal an der Obentrautstraße erstmals Theater: Shakespeares „Othello“ in einer Ein-Mann-Show; dann folgte – wiederum ein Shakespeare-Drama – die von der Presse als „knallhart politisch“ hochgelobte Tragödie um den Juden „Shylock“. Und wo fand das Streben des Gelehrten Heinrich Faust nach des Lebens Sinn statt? Im Gretchen natürlich!

„Gutes Sommertheater“, erkannte die Presse, „muss sich nicht wohlig anfühlen“ – dennoch: für die Zuschauer wird vor der Vorstellung wieder gegrillt und es gibt Bier und Brause. Um 20.30 Uhr wird es dann ernst, denn der rücksichtslose Kampf Richards in den Rosenkriegen der Familien Lancaster und York ist alles andere als "wohlig". Erbarmungslos und brutal, über die Leichen von Brüdern, Neffen und Ehefrauen hinweg geht Richard seinen Weg an die Macht. Tücke ist seine Waffe, Hinterlist und Intrige, gepaart mit Empathielosigkeit und dem Willen zur Gewalt.

Dieser Richard von York, dem Shakespeare mehr als 100 Jahre später als Richard III dramatisches Leben gegeben hat, krabbelt aus dem 15. Jahrhundert in unsere Theater-Welt. Klein, hässlich und verwachsen ist er, und das hat er sich vorgenommen: ein „Bösewicht“ zu sein und König zu werden! Doch sein Bruder trägt die Krone, ein weiterer ist Thronfolger vor ihm – diese Brüder zunächst also muss er beseitigen, dann, als böser Onkel, deren Söhne, dass er jubeln kann: Der König ist tot, es lebe der König!

Doch dieser Machtmensch Richard ist ein Psychopath, ein bipolar verstörter Paranoiker, Narziss und Borderliner: Wer ihm eine Sprosse zum Erfolg sein kann, wird benutzt, nach Gebrauch aber beseitigt; wer nicht auf seiner Seite ist, ist tot; Frauen verschlingt er mit Gier oder schickt sie in den Wahnsinn - eine macht er gewaltsam zur Ehefrau, das Ehebett aber ist ihr Grab.

Friederike Ziegler                                                                      Susanna Karina Bauer

Friederike Ziegler spielt diesen Richard, Susanna Karina Bauer alle anderen Rollen: den König und die Königin, Bruder Clarence, Lady Ann, Buckingham und Richmond. Die Inszenierung von Burkhard Schmiester zielt nicht auf ein historisch-museales Schlachtengemälde, sie sucht nicht das Abbild des Machtmenschen Richard, wohl aber den Abdruck, den ein exzentrischer Wille zur Macht der Jetztzeit noch aufdrückt. Wenn Friederike Ziegler diesen Richard spielt, nähert sie sich diesem Egozentriker und Psychopathen mit dem Erkenntnisinteresse eines Profilers: Sie ist nicht Richard, sie entlarvt und zerrt ihn aus seinem historischen Kontext in die Gegenwart und stempelt aktuelle Machtgelüste mit seinem Gesicht. Susanna Karina Bauer spielt die Männer und Frauen, die Richard die hässlichen Konturen seines selbstsüchtigen Ich verleihen.


Termine: 25., 26., 27., 28., 29. Juli und 1., 2., 3., 4., 5. August 2018, 20.30 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr
Obentrautstr. 19/20, Berlin-Kreuzberg / Eintritt 16 Euro, erm. 12 Euro / Kartenvorbestellung: 030.74 924 320


    

Friederike Ziegler betritt die Bühne, sie ist Richard. Richard von York ist noch nicht König, will es aber werden. Zunächst zieht er gegen das regierende Haus Lancaster in den Krieg. Er tötet Heinrich VI. und dessen Sohn Edward. Margarethe, die Königin, wird verbannt.



Susanna Karina Bauer tritt auf, sie ist Margarethe, spielt im Folgenden aber auch alle anderen Rollen. Als Mörder ihres Mannes und Sohnes beschuldigt Margarethe Richard, ein Königshaus vernichtet zu haben. Richard verhöhnt sie. Elisabeth flieht.

 

Lady Ann ist Kriegsbeute, sie ist Margarethes Schwiegertochter. Ihr Mann ist von Richard im Krieg getötet worden. Richard will die Ladybedrängt sie und versucht sie, gegen ihren Willen zu heiraten. Ihre Weigerung bringt ihr den Tod.



Richard sucht seinen Bruder Clarence auf, der, von ihm verleumd, im Tower sitzt. Clarence ist der Thronfolger und Richard wird ihn, bevor er dann den herrschenden König Edward in den Tod treibt, in einem Weinfass ersäufen.



Dann richtet sich Richards Ehrgeiz gegen seinen älteren Bruder, den herrschenden König Edward. Sein Mittel: Psychoterror. In größte Schuldgefühle getrieben, stirbt Edward.



Richard trifft auf Elisabeth, die Witwe des Königs, und auf ihre beiden Söhne, die als Thronfolger in Betracht kommen. Er wird sie töten. Von der Ex-Königin verlangt er dann die Hand ihrer jüngsten Tochter. Elisabeth flieht.


Richard ist König, treu ergeben aber ist ihm nur noch Vetter Buckingham. Doch auch dem misstraut der neue König. Buckingham, der sein Leben für Richard einsetzte, muss, sein Leben zu retten, fliehen.

 

Richard bleibt ein letzter Feind, der aus Frankreich anrückende Richmond aus dem Hause Tudor. Er muss sich ihm stellen. Die Geister der von ihm Getöteten verfolgen ihn in den Kampf, in dem er Richmond unterliegt.